Verschluss von Anulusdefekten mit der Barricaid®-Anulus-Teilersatz

3. Januar 2013
Diskektomien führen oft nur kurzfristig zum Erfolg. Bei aggressiver Entfernung des Nukleus steigt das Risiko für einen Bandscheibenkollaps, bei der schonenden partiellen Diskektomie erhöht sich das Risiko für ein Prolapsrezidiv. Die Bandscheiben-Teilendoprothese Barricaid® verschließt den Anulusdefekt und ermöglicht so, den Nukleus weitgehend zu erhalten. Bei einem Symposium von Intrinsic Therapeutics im Rahmen des 7. Deutschen Wirbelsäulen-Kongresses diskutierten Spezialisten verschiedener Disziplinen, inwieweit Barricaid® nachhaltig Rezidiven vorbeugen, die Bandscheibenhöhe und damit die Biomechanik erhalten kann.

In deutschen Krankenhäusern erfolgten 2011 über 173.000 Bandscheibenoperationen1Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik (DRG-Statistik) Operationen und Prozeduren der vollstationären Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern. Ausführliche Darstellung – 2011. 25. Oktober 2012 2 Carragee EJ et.al. (2003) Clinical outcomes after lumbar discectomy for sciatica: the effects of fragment type and anular competence. J Bone Joint Surg Am 85-A:102-108.. Doch die Ergebnisse der Diskektomien sind oft nur kurzfristig zufriedenstellend. Etwa 25 % aller Patienten leiden ein Jahr nach der Operation erneut unter Schmerzen, 15 % werden innerhalb von vier Jahren nach-operiert. Dabei steigt das Risiko für ein Postdiskektomie-Syndrom deutlich, wenn die Bandscheibenhöhe um mehr als 25 % reduziert wurde. Dies hat dazu geführt, dass heute vermehrt partielle Diskektomien durchgeführt werden, die wiederum mit einem erhöhten Risiko für einen erneuten Bandscheibenprolaps einhergehen.

Verschluss des Anulusdefektes: Mehr Nukleus – geringeres Kollapsrisiko

Prof. Claudius Thomé, Direktor der Neurochirurgischen Klinik der Universität Innsbruck, erläuterte die Problematik: „Der Chirurg befindet sich in einem Dilemma. Entfernt er aggressiv Nukleusmaterial, sinkt zwar das Risiko für ein Prolapsrezidiv, dafür steigt jedoch das Risiko für einen Bandscheibenkollaps. Entscheidet er sich für eine partielle Diskektomie, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Nukleus durch den Defekt des Anulus fibrosus erneut austritt.“ Dabei steigt das Rezidivrisiko mit der Größe des Defektes. Ist dieser größer als 6 mm, liegt die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Prolaps bei bis zu 27 %. 2Carragee EJ et.al. (2003) Clinical outcomes after lumbar discectomy for sciatica: the effects of fragment type and anular competence. J Bone Joint Surg Am 85-A:102-108..Mit der Bandscheiben-Teilendoprothese Barricaid® steht ein einzigartiges Implantat zur Verfügung, das den Anulusdefekt wirksam und sicher verschließt. Barricaid® besteht aus einem Gewebenetz, das mit einem Titan-Knochenanker im angrenzenden Wirbelkörper befestigt wird. Die mechanische Barriere wird in nur wenigen Minuten direkt im Anschluss an die partielle Diskektomie implantiert. Von Barricaid® profitieren vor allem bewegungsaktive Patienten mit Anulusdefekten über 5 mm und einer präoperativen Bandscheibenhöhe von mehr als 5 mm. „Der Verschluss des Anulusdefektes kann es ermöglichen, den Nukleus und damit auch die Bandscheibenhöhe zu erhalten. Die Biomechanik bleibt erhalten, ohne dass das Risiko für ein Prolapsrezidiv ansteigt“, so Thomé.

In-vitro-Belastungstest zeigt Zuverlässigkeit: 100.000 Lastzyklen – kein Rezidiv

Prof. Dr. biol. hum. Hans Joachim Wilke, Institut für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik, Ulm, stellte die Ergebnisse einer In-vitro-Studie vor, die die Zuverlässigkeit von Barricaid® unter „Worst-Case“-Bedingungen prüfte. Nach provozierten Bandscheibenvorfällen wurde der Nukleus zurück in die Bandscheibe gedrückt und der Defekt mit der Teilendoprothese verschlossen. Die Präparate wurden anschließend einem Dauerbelastungstest unterzogen. Es zeigte sich, dass durch die Implantation von Barricaid® die ursprüngliche Bandscheibenhöhe, die nach dem Prolaps signifikant reduziert war, weitgehend wieder hergestellt werden konnte. „Das wichtigste Ergebnis war jedoch, dass es auch nach 100.000 Lastzyklen in keinem Fall zu einem erneuten Bandscheibenvorfall kam. Die Teilendoprothese scheint durch den Verschluss des Defektes Rezidive zu verhindern“, schloss Wilke.

Klinische Studie: weniger Rezidive – auch bei großen Defekten

Die Ergebnisse aus zwei multizentrischen klinischen Studien stellte Dr. Peter Douglas Klassen, Leiter Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie am St. Bonifatius Hospital Lingen, vor. Im Rahmen der einarmigen, prospektiven Studien wurden die Ergebnisse der Diskektomie mit der Bandscheiben-Teilendoprothese bei 75 Patienten evaluiert und sowohl mit den Daten einer Kontrollgruppe als auch mit bisherigen Veröffentlichungen zum Erfolg von Diskektomien verglichen. Nach zwei Jahren betrug die Rezidivrate der symptomatischen Bandscheibenvorfälle in der Barricaid®-Gruppe 1,4 % versus 11,7 % in der Kontrollgruppe. Sogar bei den Patienten mit einem Anulusdefektüber 6 mm lag die Rezidivrate nur bei 1,5 %. Carragee et al. berichten dagegen bei einer vergleich-baren Gruppe von Hochrisiko-Patienten mit alleiniger Diskektomie von einer Rezidivrate von 27,3 %. Klassen erklärte, dass die Diskektomie mit Barricaid® im Vergleich zur alleinigen Diskektomie auch bezüglich des Erhalts der Bandscheibenhöhe signifikant bessere Ergebnisse zeigte. Die Patienten hatten zudem weniger Schmerzen und Funktionseinschränkungen.

Erhalt des intradiskalen Drucks kann Degeneration der Bandscheibe hinauszögern

Dr. Richard Bostelmann, Leiter der Wirbelsäulenchirurgie an der Neurochirurgischen Klinik der Universität Düsseldorf, erläuterte, warum der Verschluss des Anulusdefektes gleich mehrere positive Effekte zeigen kann. Davon ausgehend, dass ein verringerter intradiskaler Druck mit einer verstärkten Bandscheibendegeneration assoziiert ist und sowohl der Diskusprolaps als auch die Diskektomie den Druck in den Bandscheiben mindert, untersuchte Bostelmann, ob der Verschluss von Anulusdefekten den degenerativen Zyklus unterbrechen kann. „Umfassende Belastungstests an den Bandscheiben neun menschlicher Leichen konnten zeigen, dass der intradiskale Druck nach der Diskektomie abnimmt, durch den Verschluss des Anulusdefektes der natürliche Druck jedoch wieder hergestellt werden kann. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Barricaid® die Bandscheibendegeneration nach einer Diskektomie hinauszögern oder sogar aufhalten und damit auch das Risiko eines Bandscheibenkollapses und einer Nukleusextrusion verringern kann.“

Fazit:

Die Barricaid-Teilendoprothese ist für Patienten empfohlen, bei denen ein besonders hohes Risiko für rezidive Bandscheibenvorfälle, Bandscheibenkollaps, erneut auftretende Ischiasbeschwerden sowie früh auftretende Schmerzen im unteren Rücken besteht. Der Arzt kann schon vor der Operation anhand von der mit MRT erfassten Bandscheibenhöhe (>5 mm) feststellen, ob Barricaid möglicherweise geeignet ist. Die endgültige Messung zur Absicherung dieser Annahme erfolgt während der Operation: Wenn die Größe des Anulusdefekts 5 mm überschreitet, ist davon auszugehen, dass das Risiko für einen erneuten Bandscheibenvorfall erhöht ist.

Quelle:

Lunch-Symposium „Verschluss von Anulusdefekten mit der Barricaid®-Anulus-Teilersatz“ Stuttgart, 6. Dezember 2012 – Veranstalter: Intrinsic Therapeutics, Düsseldorf. www.medizin-telegramm.com

 

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